Der "Aérolithe"
wurde nach Entwürfen von Jean Bugatti, Sohn von Ettore Bugatti, 1935
gebaut und im Oktober des gleichen Jahres auf der Automilausstellung in Paris
und London präsentiert. Danach wurde das Fahrzeug lt. Aussagen ehemaliger
Bugatti- Mitarbeiter wieder zerlegt und zum Teil verschrottet. Einige wenige
Teile wurden 1936 für den ersten, von Lord Rothschild (GB) georderten
"Atlantic" verwendet.
Wie der erste, so weisen auch der zweite "Atlantic", gebaut im Auftrag
von J. Holtzschuch (F) und der dritte , 1938 geliefert an R.B. Pope (GB) gegenüber
dem Prototyp einen niedrigeren Motorraum und einen V-förmigen Kühler
auf. Dem entsprechend größer ist die Windschutzscheibe als die
des "Aerolithe".
Die Existenz eines zweiten "Aerolithe", gebaut nach 1935, ist definitiv
nicht bewiesen. Nach augenblicklichem Wissensstand gibt es heute auch keinen
Nachbau der "Aerolithe" Prototype Karosserie.
Der in Südfrankreich lebende Däne Erik Koux baute
in den 1990er Jahren fünf "Atlantic" Karosserien auf T 57S
Fahrgestelle mit originaler Bugatti-Technik.
Der Initiator, Eigentümer
eines Bugatti T44 Cabriolets seit 1968, beschäftigte sich erstmals 1996
mit dem "Aerolithe" Prototyp. Die Anregung dazu erfolgte auf Grund
eines Medienberichts in "Auto Motor und Sport" Ausgabe 16/1995 (
"Jurassic Park") über denNachbau von "Atlantic" Karosserien
durch den Bugatti-Spezialisten Erik Koux. Mit dem Erwerb eines zweiten Bugattis,
ein T 57 Stelvio, Serie I, 1935 geriet diese Idee jedoch wenig später
in Vergessenheit, um dann im Frühjahr 2004 wieder aktiviert zu werden.
Zu diesem Zeitpunkt lernte der Initiator Herrn Hero Alting
kennen. In dessen Restaurierungsfirma "Carismatic Classic Car"
in Dissen am Teutoburger Wald war mit Unterstützung des Werkstattmeisters
Jürgen Münch innerhalb von 2 Jahren der Automobil- und
Bugatti-historische T 57 (57300) restauriert worden. Das Fahrzeug wurde wieder
ausgestattet mit seiner leichten, ursprüglich vom Bugatti-Agenten Descollas,
Marseille; konzipierten offenen Sportkarosserie, die seit 1937 verschollen
ist. Descollas errang Mitte der dreißiger Jahre mit 57300 beachtliche
Erfolge (z.T. Erstplatzierungen) bei Langstrecken- und Bergrennen.
Maßgeblich beteiligt an der Wiederherstellung dieses Aufbaus waren ein renommierter Stellmacherbetrieb und ein engagierter Karosseriebauer. Nach Kontaktaufnahme zu diesen beiden am Projekt 57300 Beteiligten durch Vermittlung von "Carismatic Classic Car" und einer unterstützenden Zusage von Erik Koux war das Projekt "aerolithe" wiedergeboren. Nachdem glücklicherweise schon im Juli 2004 ein T 57 Fahrgestell mit Hilfe eines niederländischen Bugatti-Freundes gefunden wurde, komplett ausgestattet mit Motor, Getriebe, Achsen, Lenkung, Kühler, Spritzwand, Armaturenbrett mit Instrumenten und Benzintank, konnte das Projekt gestartet werden.
Projekt
Durchführung
Für den Aufbau der
"Aerolithe" Prototyp-Karosserie sind am Fahrgestell folgende Änderungen
vorgenommen worden:
Verkürzung des Radstandes um 320 mm auf 2980 mm, wie
es dem Maß der T 57TT und T 57S Typen entspricht, und der Kardanwelle.
Zurückverlegung des Kühlers, der Spritzwand und des Motors mit Getriebe
um 105 mm.
Senkung des Lenkgetriebes mit gleichzeitiger Tieferlegung und Verlängerung
der Lenksäule in der Fahrgastzelle.
Verlängerung der Arnaturenbrettstützen.
Verlegung des Tankeinfüllstutztens.
Konstuktion von 2 speziellen Sitzgestellen.
Für die Karosserie
wird Aluminium verarbeitet, die im Dach-, Motorhauben-, Heck- und Kotflügelbereich
mit ca. 1200 Vollnieten zusammengenietet wird. Dafür ist die Herstellung
eines speziellen Werkzeugs erforderlich.
Die Innenausstattung, von der leider kaum Unterlagen existieren, wird - einem
von Jean Bugatti geplanten Wettbewerbsfahrzeug entsprechend - etwas spartanischer
als die eines "Atlantic", mehr einem Bugatti Grand Prix Typ ähnelnd,
gestaltet sein.
Die endgültige Fertigstellung wird spätestens bis Juni 2006 ( Internationales
Bugatti Treffen Deutschland (50 Jahre BCD, 125. Geburtstag Ettore Bugattis)
erfolgt sein.
Fahrgestell Bugatti T 57 (57 645) / Fahrgestell 57473 A ("Atlantic" Nr. 2)
Das Fahrgestell, auf
dem die "Aerolithe" Prototyp-Karosserie erstellt wird, trägt
die Nr. 57 645 und wurde mit Motor Nr.: 473 ursprünglich als Cabriolet
im Jahre 1938 ausgeliefert.
Der Cabrio-Aufbau wurde 1950 entfernt und 57 645 erhielt eine Karosserie-Design-Studie
(Limousine) des in Paris lebenden amerikanischen Designers Brown. Später
wurde dieser Aufbau wieder entfernt und in den 1970er Jahren verschwand auch
der Motor mit Getriebe aus dem Chassis. Beide Aggregate wurden in den "Atlantic"
Nr 2 (Holtzschuch) eingebaut, der 1955 bei einem Zusammenstoß mit einem
Triebwagen der französischen Eisenbahn total zerstört wurde. Dieser
wieder in den siebziger Jahren völlig rekonstruierte "Atlantic"
befindet sich seit 1974 im Eigentum von Seydoux (Paris) nach wie vor angetrieben
von Motor Nr. 473, der zwischenzeitlich mit einem Kompressor versehen wurde.
Die Annnahme Hugh Conways (sen.), dass 57645 - wohl auf Grund des Verlustes
seiner beiden Karosserien und des ursprünglichen Motors- nicht mehr existiere,
ist jedoch durch das Vorhandensein französischer Behörden-Dokumente
widerlegt.
Es könnte nunmehr eine gewisse Verbindung zwischen 57 645 und dem "Atlantic"
Nr 2 (57 473 - nach Rekonstruktion 57 473 A) hergestellt werden. Die durch
den Unfall 1955 bedingte völlige Rekonstruktion beinhaltet auch den Neubau
der Karosserie wie es beim 57 645 mit dem "Aerolithe" Aufbau der
Fall ist. Darüber hinaus besitzt 57 437 A den ursprünglichen Motor
von 57 645.
Der jetzt 57 645 befindliche Motor gibt Anlaß zur Annahme, dass dieser
aus einem T 57S Fahrgestell stammen könnte.
Fahrgestell Bugatti T 57 (57 300) / "Aerolithe"
Es waren die Erstplatzierungen des Bugatti-Agenten Descollas, Marseille, mit seinem leichten 57 300 bei Langsrecken- und Bergprüfungen im Jahre 1935, die Jean Bugatti mit dazu veranlassten, seinen Rennsport begeisterten Kunden einen T 57 mit geringem Gewicht anzubieten. Der "Aerolithe" wurde als Wettbewerbsfahrzeug konzipiert, versehen mit einer Karosserie aus "Elektron", eine Aluminium-ähnliche, stark magnesiumhaltige Legierung. Nachteil dieses extrem leichten Metalls war seine schwierige Verschweißbarkeit. Diesem Umstand ist die Vernietung von Fahrgastzelle und Kotflügeln mit der auffälligen bis 5cm hohen Nietsicke zuzuschreiben. Dieser optische Effekt wurde beim "Atlantic", dessen Karosserie aus leichter verschweißbarem Aluminium gefertigt ist, beibehalten.
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